MS Weserland

1970 - 1998
Kiellegung Anfang Januar 1962
Neubau 412 Imo 5266477     Rheinstahl - Nordseewerke GmbH
Am 23.Juni 1970 abgeliefert für die Bugsier Reederei und Bergungs AG Hamburg
9999 BRT Länge über alles 162,69 m - 21,00m Breit - 9,33 m Tiefgang, Seitenhöhe zum Hauptdeck 12,10 m
7 Zylinder Sulzer Dieselmotor Typ 7RD/&, 11.200 PS, 18,3 kn
Besatzung 49 Personen, 8 Passagiere
19.März 1970 in Emden getauft durch Gerda Schuchmann und vom Stapelgelaufen
  Tagebuch meiner Reisen zur See

MS WESERLAND    -    MS LLOYD SYDNEY

A
m 7. Februar 1978 traf ich gegen 10:00 Uhr, von Hannover aus, in Hamburg an Bord der MS Lloyd Sydney ein.
Das Schiff, eigentlicher Name MS Weserland, hatte gerade eine Charter für den Lloyd Brasiliero bekommen. Es erhielt nun den neuen Namen, einen Schornsteinanstrich und verschiedene Änderungen.
Für den neuen Arbeitgeber soll sie das südliche Amerika, Afrika und den pazifischen Raum um Australien bereisen. Vorbereitungen für einen langen Auslandsaufenthalt von fast vier Jahren, was zu dieser Zeit aber niemand ahnte, wurden getroffen.


      Übergabe an Bugsier - 23. Juni 1970. Heimathafen Hamburg
1972 im Mai umbenannt in Concordia Weserland (Charter Name)
1973
im Februar wieder WESERLAND
1978
erneut umbenannt in MS LLOYD SYDNEY, Charter Name für Lloyd Brasileiro
1981 wieder WESERLAND

18.Mai.1984 verkauft an PIL Pacific International Lines (Singapore) umbenannt in MS KOTA TIMUR
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1992 verkauft an Golden Splendour Shipping Corp. Kenco Shipping Ltd. Hong Kong (China), Flagge St. Vincent and the Grenadines, umbenannt in MS GOLDEN SPLENDOUR

1998 am 21.November in Alang, Indien angekommen.
22.12.98 offiziell mit dem Abbruch begonnnen.
 

Bei leichten Schneeregen, verließ am 10. Februar gegen 14:30 die MS Lloyd Sydney mit seiner neuen Crew den Hamburger Hafen. Vorbei an Schulau, wo für lange Zeit das letzte Mal die Heimathymne zu hören war, ging es in Richtung Elbmündung.
Die ersten Tage vergehen immer recht zähfließend, die Gemüter der Fahrensleute schlagen aber schnell in Glückseligkeit um, wenn nach dem durchqueren der Biskaya das Wetter stetig besser wird. Der blaue Himmel und das in smaragdgrün leuchtende Wasser, lässt spürbar werden, daß der Äquator zügig heranrückt.

Am Sonntag, den 19. Februar, hörten um 11:00 die Maschinen auf zu arbeiten. Wir waren einfach zu schnell und wären zu früh am Ziel eingetroffen. Ab 19:30 ging es weiter. Ein ruhiger, erholsamer Tag auf hoher See, mit dem ersten Sonnenbad nach einem langen europäischen Winter. Der folgende Tag hielt uns trotzdem ab 13:00 auf Reede in Fortalezá, Brasilien, fest, so dass wir erst am 20. Februar um 09:00 einliefen. Zwei Tage Landgang in einer idyllischen Kleinstadt, die umgeben ist von unendlichen Urwäldern. Der 22. Februar sah unser Schiff schon wieder ab 07:00 auslaufen.

  Einlaufen Rio

Die Reisen in Sichtweite der Küste sind meist ruhig aber sehr interessant. Von weitem konnten wir am 25. Februar in der Mittagssonne schon den Corcovado, die Christus Statue, in Rio de Janeiro sehen.

Vorbei am Zuckerhut, machte die Lloyd Sydney um 17:00 im alten Hafenbecken an der Práca Mauá fest. In nur 2 Minuten Fußmarsch waren wir im Herzen dieser Weltmetropole, die mich mit ihren phantastischen Eindrücken fast erschlug. Die Hitze zwischen den Häuserschluchten war atemraubend, die Freundlichkeit der Menschen bisher unbekannt für mich.

Die Brasilianer behaupten: In sechs Tagen erschuf Gott die Welt, am siebten Rio de Janeiro...ja, es muß so gewesen sein. Der 27. Februar sah uns gegen 23:30 die Stadt verlassen.

Ab dem 28. Februar gegen 10:00 Uhr lagen wir auf Reede vor Santos und frühmorgens um 06:00, dem 1. März, war unser Schiff an der Pier. Wie auch in Rio, sah man hier noch vereinzelt die Reste des vor kurzem stattgefunden Karnevals, das Ereignis überhaupt für Brasilien. Die Straßen gleichen einem Konfetti und Luftschlangen Schlachtfeld. Bis zum 5. März 18:00 Uhr genossen wir das bunte Treiben dieser Stadt mit einem der berühmtesten Fußballclubs der Erde, dann ging es weiter.

 

Entlang der südamerikanischen Küste bogen wir am 7.März in den Rio de la Plata ein. In seinem trüben Wasser passierten wir die Millionenmetropole Montevideo, Uruguay, in Richtung der Hauptstadt Argentiniens. Der 8. März 1978 sah die Lloyd Sydney am frühen Morgen um 05:30 einlaufen. Ein wenig Shoppen und Sight seeing, viel Zeit hatten wir hier leider nicht. Buenos Aires ist ganz anders als das sonstige Südamerika. Am Abend ließen wir es uns nicht nehmen eine der zahlreichen Churascorias zu besuchen. Fleisch ist extrem billig hier und es wird von gewandten Köchen direkt vor den eigenen Augen zubereitet. Auch Mittags gab es noch schnell ein Steak, bevor wir mit vollem Magen am 9. März abends um 19:15 den Befehl "Leinen los" hörten. Vom Mar del Plata aus ging es direkt in die Tiefen des Atlantischen Ozeans hinein, der mit seiner Unendlichkeit am Horizont auf uns wartete.

Der einzige Fremdling, der ein Schiff auf weiten Seereisen begleitet ist der Albatros. Gerade auf den Atlantik Fahrten sieht man sie tagelang in den Aufwinden der Wellen schweben, ohne nur einen einzigen Flügelschlag auszuführen.

Die Küste Südafrikas war schnell erreicht und an der Silhouette Kapstadts vorbei ging es entlang der schier endlosen Küste hinauf nach Durban, welches wir schon am Montag, den 20. März erreichten und nachts um 02:00 Uhr anliefen.

Nur ein Tag blieb uns in diesem Hafen, der vom Volumen der Größte in Afrika ist. Eingebettet in traumhaften Stränden, die uns leider nicht halten konnten, verließen wir am 21. März gegen 14:40 Uhr diesen Ort.

 

Jetzt mußte der Indische Ozean durchquert werden. Das ergreifende Gefühl, wenn das Festland im Rücken im Meer zu versinken scheint und die Weite der See das Schiff verschluckt, muß am eigenen Leib erlebt werden.

In der Nacht zum Samstag, den 25. März gegen 01:00, werden Hurrikan Winnie und Marlene voraus gemeldet. Sie sind weit entfernt, trotzdem trifft unser Schiff eine schwere Dünung und beide Stürme lassen der Lloyd Sydney ihren kaltnassen Atem spüren. Am 28. März bekamen diese beiden Teufel noch Unterstützung aus dem Süden von Hurrikan Alby. Geschickt verstand unser Käpt’n, mit all seiner Erfahrung, den dreien zu "entkommen".Nach der Durchquerung der großen australischen Bucht, passierten wir früh morgens Cap Nelson und Cap Otway, fuhren in die Phillips Bay und machten am 3. April um 19:30 in Victorias Regierungsstadt Melbourne Leinen fest.

Ruhe und Entspannung erwartete uns die ersten Tage Down Under. Am Mittwoch, den 5. April spielte das Fußball Team Lloyd Sydney ein Freundschaftsspiel gegen die Südkoreaner der MS Ocean Ace und gewann mit 7:0, abends feierten wir mit unserem Gegner.
Erst am 7. April 20:00 Uhr ging es weiter entlang der australischen Küste, wo wir am Sonntag, den 9. April in der Morgendämmerung in die Jackson Bay einfuhren.
Nach zahlreichen Landzungen tauchte das Dach der Oper von Sydney mit seiner einmaligen Form voraus auf. Vorbei an diesem Wunderbauwerk, machten wir gegen 06:00 im alten Hafen an der Pyrmont Bridge die Leinen fest.

 
 

Glücklich sind die Menschen die in dieser traumhaften Stadt leben dürfen. Am 13. März verlor unser Fußballteam nach einer furchtbaren Leistung mit 0:6 gegen eine russische Auswahl.

Nach über einer Woche Liegezeit und zahllosen Ausflügen, verließen wir am 18. April um 08:15 Sydney, umfuhren Australien, passierten problemlos den Indischen Ozean und kamen bei schwerer See am 1.Mai 15:00 in Durban, Südafrika an wo wir vorerst auf Reede gehen mußten. Die Zeit der schweren Stürme in diesem Ozean war noch nicht abgeklungen. Seit Tagen traf die Lloyd Sydney eine extreme Dünung, Wellenberge die sich durch Hurrikans zu Türmen aufgerichtet haben und die nun Tage brauchen um wieder Ruhe zu finden. Hierbei scheint oft schon die Sonne am Himmel, es ist windstill, doch die See stampft wie wild und wirft das Schiff teils unkontrolliert umher.

Als alles ein wenig ruhiger wurde, konnten wir am 3. Mai um 19:30 in Durban einlaufen. Abends kurz Essen, morgens noch schnell einkaufen, schon ging es leider am 4. Mai um 13:30 Uhr weiter.

Entlang der Küste Südafrikas, erreicht die Lloyd Sydney am Freitag, den 5. Mai um 04:00 East London, ging dort auf Reede und lief um 07:00 ein. East London ist eine alte Industriestadt und der einzige Hafen im Süden Afrikas, der an einer Flußmündung liegt, dem Buffalo River. An einem sonnigen Morgen, dem 10. Mai 07:00 verließen wir East London.

Entlang traumhafter Küsten wechseln steile Felsenklippen mit malerischen Buchten, ausgedehnte Sandstrände mit dichten, immergrünen Regenwald. Der leuchtenden Landschaft entspringen zahlreiche Flüsse, die sich in weiten Bögen durch grüne Küstenebenen schlängeln und schließlich im Indischen Ozean enden. Vorbei am Kap der guten Hoffnung überquerten wir bei gutem Wetter erneut den Atlantik.

  Die Lloyd Sydney auf dem Amazonas  

Kurz unterhalb des Äquators mündet der Amazonas in einem riesigen Delta in den Atlantischen Ozean. Lange vor dem Erreichen dieses Beckens, färbt sich das grüne Wasser in einen Braunton. Rechts und links flankiert von der undurchdringlichen Dichte des Urwaldes erreichte die Lloyd Sydney am 20. Mai um 20:50 die Reede der brasilianischen Stadt Belém.
Die Stadt kann nicht direkt, wegen der geringen Wassertiefe, angelaufen werden, somit findet das Laden und Löschen mit kleinen Booten auf dem Fluß statt.

Mit diesen Booten wurden wir auch in einen unregelmäßigen Fährverkehr an Land übergesetzt. Die mysteriösen Geräusche von Millionen verschiedener Insekten, die aus dem Dickicht des Urwaldes klingen, hielten uns von einem Ausflug in diese grüne Welt ab.

Bei warmen, tropischen Regen, der in Massen vom Himmel fiel, verließen wir am Mittwoch, den 24. Mai um 12:00 Uhr Belém und erreichten am 26. Mai um 05:00 erneut Fortaleza. Nach einem Badeausflug eines Teiles der Crew und einiger Landgänge, fuhr das Schiff am 27. Mai um 06:00 morgens weiter.

 

 

Der 30.Mai des Jahres 1978 sah die Lloyd Sydney um 18:30 wieder in Rio de Janeiro einlaufen. Diesmal fanden wir die Zeit zu einem Ausflug an die berühmte Copacabana und Ipanéma, genossen den Sonnenuntergang an diesen Stränden, wo das blutrote Licht sich in Millionen von Fenstern der Hochhäuser wiederspiegelt.

Abschied von dem "Fluß des Januars", wie Rio übersetzt heißt, nahmen wir am 4. Juni um 08:30, vor bei am Zuckerhut, ging es in Sichtweite der Küste. Einen Tag später um 20:00 lagen wir auf Reede vor Santos, wo wir am 6. Juni um 08:00 festmachten. Sieben Tage später, nach reichlichen Erlebnissen an Land, verließ am 13. Juni die MS Lloyd Sydney gegen 21:30 die Stadt.

Am 14.Juni um 10:00 machten wir in Paranágua fest. Ein kleiner Hafen zwischen Palmen und alten Lagerschuppen, wie man ihn aus Abenteuerromanen her kennt.

Am 15. Juni um 07:00 verließen wir Paranágua schon wieder und trafen am 16. Juni, nach 2 ½ Stunden auf Reede, um 11:30 Uhr im brasilianischen Rio Grande do Sul ein.

Der Montag, 19. Juni, sah gegen 18:00 Uhr unser Schiff auf der Weiterfahrt den Rio de la Plata hinauf nach Buenos Aires, welches wir am 20. Juni um 21:00 erreichten und erstmals auf die Reede gingen. Drei Tage mußten wir dort warten, konnten uns von den vielen Landgängen der letzten Wochen erholen, ehe wir am Freitag den 23 Juni um 15:30 Uhr einliefen. Wir lagen direkt im legendären Hafenviertel La Boca im Süden der Stadt, die leicht zu Fuß zu erreichen ist.

Am Sonntag, den 25. Juni fand in Buenos Aires, übrigens die zweitgrößte Metropole der spanischsprechenden Welt nach Mexico City, das Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft statt, zwischen Gastgeber Argentinien und Holland.

Schon Frühmorgens pilgerten wir in die Stadt, um in einer unsagbar überfüllten Bar das Spiel am Radio mit zu erleben. Die Straßen waren bis kurz vor dem Abpfiff menschenleer. Als "Gooooool-Argentina" aus allen Lautsprechern der Stadt schallte, ergoß sich ein Millionenheer in blau weißen Farben in den Stadtkern Buenos Aires. Als der Schiedsrichter das Ende des Spieles signalisiert wurde  Argentinien das erste Mal Weltmeister.

Es gab nicht die geringste Chance dem Tanzen, Singen und trinken auch nur annähernd zu entkommen. Tage später lag das Land immer noch in einem Taumel des Feierns und der Freude, selbst im Hafen wurde mehr Tango getanzt als die Ladung der Schiffe gelöscht, so waren wir froh als es am 30. Juni um 16:30 wieder auf See ging und am Samstag morgen um 01:00 an Montevideo vorbei, die endlose Weite und Stille des Atlantiks erreicht war.

Überaus ruhig und erholsam war die Reise bis Durban, wo die Lloyd Sydney am Dienstag den 11. Juli um 01:00 auf Reede ging und in der Früh gegen 07:30 einlief. Jetzt hatten wir eine Woche Zeit, spielten am Sonntag 16. Fußball gegen eine südafrikanische Auswahl und verloren mit 2-4. Wir fuhren ins nahegelegene Land der Tausend Hügel, veranstalteten Grillabende an Bord sowie an Land und nutzten die Zeit zum baden ehe es am Dienstag, den 18. Juli um 19:00 erneut in Richtung Australien ging.

 

 

Schon am 1. August um 05:00 machte unser Schiff nach einer ruhigen Überfahrt in Melbourne fest. Ich nutzte die Zeit für einen Ausflug in das trockene und buschige Umland.

Am 4. August ging es um 19:00 weiter in Richtung Sydney, wo wir bereits am 6. früh um 07:30 Uhr einliefen. Wir besuchten den Taronga Park, den Zoo Sydney, die Blue Mountains und verloren im Fußball mit 2-3, erneut gegen eine russische Auswahl. Wegen eines Hafenarbeiterstreiks ging unsere Reise erst am 10. August gegen 21:00 weiter.

Entlang der Küste, vorbei an kilometerlangen, menschenleeren Sandstränden, erreichte die Lloyd Sydney am 12.August um 07:00, die Regierungsstadt des Staates Queensland, Brisbane. Wenige Stunden später waren wir schon auf einer kleinen Farm außerhalb der Stadt und nutzten die Zeit für einen ergiebigen Ausritt durch die Buschlandschaft, wobei die Pferde eher uns die Richtung vorgaben.

 

Am Montag den 14. August 21:30 verließen wir Australien, durchfuhren die Tasmanische See, um am 18. August um 07:00 den Hafen von Auckland, Neuseeland anzulaufen. Leider war unser Aufenthalt nur kurz, nach einem ruhigen Rundgang mit anschließenden Einkauf, ging es schon am gleichen Tag um 23:00 Uhr weiter.

Die wunderschöne Lage und atemberaubende Schönheit dieser Stadt läßt vermuten wie faszinierend das dahinter liegende Land sein muss.

Zurück durch die Bass Street, entlang Australiens Küste, quer über den indischen Ozean, brachte uns das Schiff erneut sicher an die südafrikanische Küste.

Am 5. September, nach langer Seereise, liefen wir gegen 07:00 Uhr Durban an, um 09:00 war für mich an Bord die Reise zu Ende, ein Großteil der Besatzung verließ unsere Lloyd Sydney und begab sich auf den Weg zum Flughafen. Trotz der Freude auf die Heimat, fiel der Abschied sehr schwer. Von Durban ging es über Johannesburg, Windhoek und Zürich nach Frankfurt und Hamburg.

Am Mittwoch den 6. September stand ich, nach 212 Tagen, fern von meinem geliebtem Schiff, wieder vor den Toren meiner Heimatstadt Hannover.........................

 
ACHTUNG !! Diese Seite wurde 2019 überarbeitet. Sie ist noch nicht ganz fertiggestellt. Es kommen neue Geschichten dazu, also schaut mal wieder vorbei.. Ahoy
   

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André Krüger       .